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oerlikon.ch > linkgooerlikon 26.03.2009

Komplettumbau am Bahnhof Oerlikon

Der Bahnhof Oerlikon wird zur Grossbaustelle von Stadt, VBZ und SBB. Nun informierten die Verantwortlichen auch gemeinsam. Hier der Bericht von ZüriNord-Redaktor Roger Suter

Es ist nicht das erste Mal, dass das Zentrum Oerlikons innerhalb des Quartiers verschoben wird. Der alte Dorfkern lag einst zwischen dem heutigen Altersheim und Verwaltungs-zentrum Dorflinde (von der es auch den Namen erhielt) und dem Hotel Sternen Oerlikon. Als die Nordostbahn 1856 einen Bahnhof bauen wollte, erlaubten das die Schwamendinger (zu denen Oerlikon damals gehörte) nur am äussersten Rand des Dorfes, an der Grenze zu Seebach, wo der Bahnhof noch heute steht. Mit der wachsenden Bedeutung dieses Verkehrsmittels rutschte auch das Zentrum des Dorfes Richtung Gleise.

Heute stehen die Gleise selbst im Zentrum: Sie liegen zwischen Oerlikon und seinem Neubaugebiet, das innerhalb weniger Jahre – viel schneller als erwartet – anstelle der alten Industrie entstanden ist, im Weg. Zweitens planen die SBB, den Flaschenhals Oerlikon wegen der neuen Durchmesserlinie von sechs auf acht Gleise zu erweitern. Und sie stehen drittens im Zentrum der Bestrebungen der Stadt, den Verkehrsknoten besser in die Quartiere einzubinden.

KEIN DRITTES ZENTRUM
Bei der Stadt hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese Einbindung schon bei der Information beginnen sollte. So ist am Freitag Tiefbauvorsteherin Ruth Genner als politisch Verantwortliche gleich mit drei Chefbeamten und einer Chefbeamtin ins Neu-Oerliker Marriot-Hotel gekommen, um rund 220 Quartierbewohnern zu erklären, was man mit dem sechstgrössen Bahnhof der Schweiz, was die Zugbewegungen angeht, vor-hat.
Von der ursprünglichen Idee, im Osten des Bahnhofes ein grosses Umsteigezentrum mit Tram- und Busanschlüssen zu bauen, ist man abgekommen. «Ein drittes Zentrum ne-ben dem bestehenden Bahnhofplatz im Süden und dem zu bauenden Max-Frisch-Platz im Norden hat keinen Sinn», erklärte Genner.
Peter Noser, Stellvertretender Direktor des Amtes für Städtebau, nannte die drei Schwerpunkte der städtischen Massnahmen: Die neue Quartierverbindung, die Anbindung ans Leutschenbachquartier im Osten und die durchgehenden Buslinien.

ZÜGE RÜCKEN ZUSAMMEN
Ab Mitte 2010 wird mit noch zu bewilligenden 15 Millionen Franken der bestehende Bahn-hofplatz Süd neu gestaltet. Der heute schon einseitige Durchgangsverkehr auf der Hof-wiesenstrasse wird dabei zwischen Ohm- und Schulstrasse ganz unterbunden; Zubringer-dienste sind aber nach wie vor gestattet. Niedrige, aber für Sehbehinderte dennoch auffindbare Randsteine lösen die heute festen Fahrbahnen und Fussgängerstreifen ab; hohe Leuchten, Bäume, Sitzgelegenheiten und Cafés sorgen tagsüber und auch nachts für eine angenehme Atmosphäre.
Gleichzeitig beginnt die SBB mit dem Gleisausbau und ersetzt auch ein unterirdisches Stellwerk. Sobald die Gleise 7 und 8 fertig sind, rücken die Gleise 5 und 6 etwas näher zu-sammen. «Die alten, grösseren Gleisabstände berücksichtigten noch Platz für kleine Wartungsarbeiten an Dampflokomotiven», erläutert Daniel Bösch, Projektmanager bei der SBB. Nach der Verlegung blieben jeweils 70 Zentimeter mehr Platz für die Perrons. Aus-serdem dürfen lärmgeplagte Anwohner aufatmen: Die meisten Gleisbauarbeiten können tagsüber ausgeführt werden. Diese Umgestaltung kostet die SBB rund 187 Millionen Fran-ken.
Von 2011 bis 2014 wird dann – sofern das Stimmvolk im Herbst den Kredit von rund 50 Millionen Franken bewilligt – die neue Quartierverbindung gebaut. Sie unterquert sämtli-che Gleise des Bahnhofes zwischen Schul- und Therese-Giehse-Strasse und bietet dank 16 Metern Breite Platz für Fussgänger, Velofahrer, Velo-Abstellplätze sowie Läden. Ihre beiden Enden werden von auffälligen Baldachinen gebildet. Die überirdische Ladenzeile wird abgebrochen. Die SBB wollen ihre bestehende und oft überfüllte Personenunterführung Mitte nach 2012 ebenfalls auf 12 Meter verbreitern, mit der Quartierverbindung auf gleichem Niveau verknüpfen und eventuell sogar mit Liften versehen.
Ab Mitte 2013 soll dann anstelle der ehemaligen Technischen Berufsschule der Max-Frisch-Platz entstehen, auf dem entgegen den ursprünglichen Plänen auch Busse verkeh-ren sollen. Der entsprechende Projektwettbewerb soll Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

BUSSE VERKNÜPFEN STATT WENDEN
Mit diesen Bussen haben die VBZ einiges vor. So werden die heute am Bahnhof en-denden Linien zu Tangentialverbindungen verknüpft. Der 62-er und der 94-er werden zur neuen Linie 62 vereinigt, die dann als Nordtangente vom Glattzentrum via Aubrugg, Al-bert-Näf-Platz und Bahnhof Oerlikon Nord nach Affoltern führt. Die neue Linie 80 vom Triemli verkehrt ab Affoltern auf der bisherigen Linie 62 und verbindet die ETH Höngger-berg mit dem Bahnhof Oerlikon und dem Schwamendingerplatz.
Noch offen ist laut Armin Huber, Projektleiter Netz und Marketing bei den VBZ, die An-ordnung der Bushaltestellen auf dem Max-Frisch-Platz sowie am Bahnhof Oerlikon Ost und ob die Busse auf dem Tram- oder einem eigenen Trassee verkehren.

SCHULSTRASSE: «DORN IM AUGE»
Noch mehr Zukunftsmusik war im Zusammenhang mit der Quartieranbindung Ost zu vernehmen. Grundsätzlich ist vorgesehen, die Unterführung Ohmstrasse direkt und ebenerdig mit der Schaffhauserstrasse zu verbinden (wo einmal das Umsteigezentrum geplant war). Läden und eventuell ein Dach sollen diesen Zugang attraktiv machen. Die gezeigten Abbildungen mit neuen (Hoch-)Häusern auf dem kleinen SBB-Werkhof oder anstelle der alten Postgarage, unter denen Trams verkehren, seien erst fiktiv.
Kein Musikgehör haben die privaten Besitzer nach wie vor für die Idee, die Parkhäuser im Zentrum Oerlikons unterirdisch zu verbinden und andernorts zu erschliessen. Die laut einem Zuhörer unhalt-bare Situation mit der rückwärtigen Einfahrt in der Schulstrasse bleibt deshalb bestehen, obwohl sie Christine Bräm, Leiterin des Geschäftsbereichs Gestaltung beim Tiefbauamt, «ein Dorn im Auge» ist. Immerhin soll die Schulstrasse beim geplanten Bau der Quartierverbindung etwas fussgängerfreundlicher werden.



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